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Saramago im Di Vina’s Art Cafe, Günterstalstr. 31
Ich traf meinen Doppelgänger in Ludevinas Di Vina’s Art Cafe und wir tranken einen portugiesischen Galão, der, um ehrlich zu sein etwas schwach war, was nicht unbedingt an Ludevina oder ihrem Delta-Kaffee lag, sondern vielleicht am Grad meiner Müdigkeit. Es könnte sein, dass der andere Martin, von derselben Müdigkeit geplagt, seinen Galão enttäuscht auf den befliesten Boden hätte tropfen lassen, ein Rinnsal aus hellbrauner Milch, dessen Spur Kunstwerke erschuf, die mich hätten warnen können. Die nackte Schöne am Tresen hatte jedenfalls nichts mit meinem Unvermögen zu tun, mich darauf zu konzentrieren, was der andere Martin mir zu sagen versuchte. Ich will nicht zu weit vorgreifen, doch diese bleierne Müdigkeit ließ sich nicht so leicht abschütteln, obwohl so verführerische Begriffe wie Schicksal, Verhängnis oder Bestimmung in diesem Diskurs nichts zu suchen haben. Wer schauen kann, der sehe. Wer sehen kann, der betrachte. Ich sah mich in ihm, ihn im Spiegel an und mit jedem Wort war ich mehr er.
Den pastel de nata mochte ich, er bestellte dazu eine Limetten-Tarte, die mir gefiel, ohne sie zu essen. Wir hatten uns treffen wollen, um zu reden, jetzt aßen wir, tranken, genossen das Ambiente des Cafes, doch unsere frappierende Ähnlichkeit war zu offensichtlich, als dass es vieler Worte bedurft hätten. Wenn er abbiß, wußte ich, wie süß die Tarte schmeckte, wenn ich am heissen Cafe nippte, zuckte er zusammen. Ich schreibe dies, obwohl ich mir vorstellen kann, dass es eventuell gar keiner so detaillierten und umständlichen Erklärung unsererseits bedurft hätte. Ich meine – er war – ist – ich!
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