Blogmässig angefangen zu schreiben habe ich, als ich Vater wurde. Meine Tochter ist jetzt zwei. Vielleicht kam es aus dem Drang, etwas der nächsten Generation zu hinterlassen. Vielleicht aber auch nur, weil ich auf den Spielplätzen und bei den Spaziergängen, die ich nun sogar ohne Familienbesuch absolviere, viel Zeit habe, um über mich und die Welt um mich herum nachzudenken. Als Vater auf dem Erwin-Spielplatz am Sonntagmorgen um halb neun – dann kann die Mama sich mal ausschlafen – wird einem bewusst, wie ein Kind die eigene Sichtweise verändert.
Um 9 setzt sich ein weiterer Vater mit dunklen Augenringen auf die Bank neben mich. Wir nicken uns zu. Ich reiche ihm wortlos den „Sonntag“, selbst die Beilagen hab ich schon durch. Er lächelt dankbar: „Bin wohl schlecht vorbereitet.“ Ich gieße mir heißen Tee aus der mitgebrachten Thermoskanne ein. Er starrt auf meine Bäckertüte. Unsere Kinder spielen im Sand, beide dick eingepackt mit Gummistiefeln, Spiele-Hose, Jacke, Mütze und Schal. Mein Blick bleibt an der den Spielplatz einrahmenden Kaskade von Grabsteinen hängen.
Verwitterte Buchstaben und Jahreszahlen erzählen Geschichten von Menschen, die vor hundertfünfzig Jahren in der Wiehre wohnten. Ich finde es schön, dass hier nun Kinder spielen. Meine letzte Ruhestätte, hab ich neulich zu meiner Frau gesagt, soll am Cabo Trafalgar sein. Sie soll meine Asche dort an der andalusischen Atlantikküste verstreuen, wo ich mal als Student übernachtet habe. Das Meer ist rau, eine kleine Landspitze mit Leuchtturm ragt in die See. Im flachen Wasser auf der Nordseite spiegelt sich allabendlich der Sonnenuntergang. Die Tide sorgt nachts dafür, dass der kleine Teerweg umspült wird, der zum Leuchtturm führt. In diesem Urlaub, an diesem Strand hatte ich keine Sorgen, damals als Student. Wenn ich mal dort liege, werde ich wieder keine haben.
Bis dahin…“Halt, bleib da oben! Ich helfe dir.“ rufe ich und stürze auf meine Tochter zu, die um Haaresbreite von der Rutsche gestürzt wäre. Ich halte ihre Hand während sie runterrutscht, nehme sie unten etwas zu lange in die Arme und hebe sie wieder auf die Rutsche, obwohl sie längst schon sicher die Leiter hochklettern kann.